Marie...


Man trifft sich immer zweimal...


Marie betritt das Zugabteil. Sie zieht ihr schwarzes Etuikleid zurecht und nimmt Platz. Ihre Füße schmerzen, die neuen Schuhe drücken sich ins Fleisch. Sie kann es nicht glauben, dass sie nun wahrhaftig von Frankreich nach England unterwegs ist. Jahrelang schon hatte sie keinen Fuß mehr auf die Insel gesetzt, doch unter diesen Umständen blieb ihr keine andere Wahl... 

Der seelische Schmerz - alt und neu - ist dabei sich einen Weg zu bahnen, doch das möchte sie mit aller Macht verhindern. Nur nicht in den Abgrund blicken. Nur nicht die Dunkelheit zulassen, die alles mit Haut und Haaren fressen wird. 

Ein äußerst attraktiver Mann teilt sich mit ihr das Abteil - die Luft ist zum Schneiden - niemand spricht auch nur ein Wort. Diese Stille ist angenehm und genau das Richtige. Nur nicht nachdenken.

Man hört das Rattern der Schienen, die kleinen schmierigen Vorhänge sind zugezogen. Das Licht flackert als der Zug in den Tunnel einfährt. 

Ein riesiger Kloß befindet sich in Maries Hals...nur nicht in die Dunkelheit blicken.

Plötzlich bremst der Zug abrupt ab und Marie fliegt in hohem Bogen in Richtung ihres Wegbegleiters, welcher sie aus einer Reaktion heraus auffängt und mit beiden Händen fest hält.

Mittlerweile brennt die Luft.

"Einfach nur dem Abgrund entfliehen - irgendwie - egal wie!" tönt es in ihrem Kopf.

Beinahe berühren sich ihre Lippen. Die beiden blicken sich in die Augen, beginnen sich zu küssen, anzufassen und...

 

Marie steigt aus dem Waggon, begibt sich zu ihrem Wagen und fährt in Richtung Eastbourne zur Beerdigung ihrer letzten Verwandten...

 

Bleiben unüberlegte Handlungen stets ohne Folgen? Hat es Auswirkungen auf alle Beteiligten? Und kann man so ein Zusammentreffen jemals vergessen? Oder sieht man sich etwa immer zweimal?

 

Es darf spannend bleiben, wie sich das Leben der beiden aus deren Sichtweisen entwickelt hat... 



BALD ERHÄLTLICH!